Naturhuf und Ponies

Fütterung, Haltung und Pflege

Hasky HR - Isländer:

10/2007 | 10/2008

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Buchtipp:

Pete Ramey:
Care and Rehabilitation of the Equine Foot

Ganzheitlich denkende PraktikerInnen versammelt in einem Hufkompendium auf aktuellstem Wissensstand. Dieses wertvolle Lehrbuch ist ein "must-have" für BesitzerInnen von Equiden jeglicher Art. Lehrreich, anregend, unterstützend und ermutigend!

Anmerkung: diese Seite ist zur Zeit in Bearbeitung, 18. Januar 2012

Heuanalysen

Die Analyse einer Heuprobe gibt uns Auskunft über den Gehalt an Feuchtigkeit, Protein, Fasern, Energie, Kalorien und Mineralien.

Beispiel einer Heu-Analyse aus Unst (Shetland, GB)

Analyse einer Heuprobe (Ende Juli/August) aus Unst Shetland (GB)
(pdf)

Erklärung der einzelnen Kategorien einer Heu-Analyse:

Moisture

Feuchtigkeit in %

Dry matter (Gegenstück zu Moisture)

Trockenmasse in %

Die detaillierten Resultate werden bei obigem Beispiel in zwei Kategorien aufgeteilt. "As Sampled" (wie in der Probe) und "Dry Matter" (in der Trockenmasse). "As Sampled" wird auch als "As Fed" (wie gefüttert) bezeichnet.

DE

Digestable Energy (verdauliche Energie) in Mcal (Mega-Kalorien)

Beispiel für den Bedarf an verdaulicher Energie (DE)

Ein 500 kg schweres Pferd/Pony im durchschnittlichen Erhaltungsbedarf benötigt laut NRC* 16.7Mcal verdauliche Energie/Tag (Körpergewicht in kg x 0.0333 = ? Mcal/Tag).

* NRC: National Research Council, Artikel zum Thema: wer ist das NRC?

Beispiel 1 einer Heuprobe mit 1.96 Mcal/kg verdaulicher Energie (DE)


(pdf)

Dieses Maiheu aus der Schweiz (pdf) hat eine verdauliche Energie von 1.96 Mcal/kg. Einem 500kg schweren Pferd/Pony im Erhaltungsbedarf stünden folglich rund 8.5 kg (16.7 / 1.96 = 8.5) dieses Heus pro Tag zu. Wenn wir nun davon ausgehen, dass Pferde/Ponys pro Tag 2% ihres Körpergewichts an Heu fressen (im Falle unseres 500kg schweren Pferdes also 10kg), so ergäbe das 19.6 Mcal/Tag (10 x 1.96 Mcal) also 2.9 Mcal / Tag (19.6 Mcal - 16.7 Mcal) zuviel verdauliche Energie für unser 500kg schweres Pferd/Pony im Erhaltungsbedarf.

Beispiel 2 einer Heuprobe mit 1.66 Mcal/kg verdaulicher Energie (DE)


(pdf)

Mit einer DE von 1.66 Mcal/kg ist diese Heuprobe aus Sandwick (Shetland, GB) (pdf) vom verdaulichen Energiegehalt her für unser 500 kg schweres Pferd/Pony im Erhaltungsbedarf ein perfektes Heu. Es könnte sogar durchaus sein, dass bei höherer Leistungserbringung neben frei verfügbarem Heu z.B. mit Rübenschnitzeln ergänzt werden müsste.

Heu wässern

Wenn ein Heu, gemessen am geschätzten Energieverbrauch des Pferdes/Ponys wie in Beispiel 1 im Gesamten zuviel verdauliche Energie (DE) hat, kann durch einstündiges Einlegen in Wasser ein Teil der Kohlenhydrate herausgelöst, danach weggespült und dadurch der Gesamtgehalt der verdaulichen Energie (DE) gesenkt werden.

CP

Crude Protein (Rohprotein) wird in Prozenten angegeben. Die Analyse misst den Stickstoffgehalt der Futterprobe und multipliziert diesen mit 6.25. Die daraus resultierende Zahl ergibt das Rohprotein.

Beispiel für den Bedarf an Rohprotein (CP)

Ein 500kg schweres Pferd/Pony im durchschnittlichen Erhaltungsbedarf benötigt laut NRC* 630 g Rohprotein / Tag (Körpergewicht in kg x 1.26 = ? g/Tag).

* NRC: National Research Council, Artikel zum Thema: wer ist das NRC?

Beispiel einer Heuprobe mit 106.4 g/kg Rohprotein (CP)


(pdf)

Dieses Heu aus Bressay (Shetland, GB) (pdf) beinhaltet 106.4 g Rohprotein (CP)/kg. Wenn wir davon ausgehen, dass Pferde pro Tag 2% ihres Körpergewichts an Heu fressen (im Falle unseres 500 kg schweren Pferdes/Ponys also 10kg), so ergäbe das 1064 g aufgenommenes Rohprotein pro Tag (10 x 106.4 g CP). Die im vorherigen Abschnitt für den Erhaltungsbedarf unseres 500 kg schweren Pferdes/Ponys nötigen 630 g Rohprotein wären also mit diesem Heu gut abgedeckt. Dabei ist zu beachten, dass der Anteil der essentiellen Aminosäure Lysin mindestens 4.3% vom täglichen Rohproteinbedarf (630 g) ausmachen sollte. In unserem Beispiel hat es pro 1 kg Heu geschätzte 3.7 g Lysin. Das ergibt 37 g Lysin auf 10 kg gefressenes Heu. Der tägliche Erhaltungsbedarf von 27 g Lysin für unser 500 kg schweres Pferd/Pony wäre also auch hier durchs Heu ausreichend abgedeckt.

Estimated Lysine

geschätzte Menge an Lysin (essentielle Aminosäure)

Kohlenhydrate

In Bezug auf Insulinresistenz scheint es, dass die beiden bedeutenden Kohlenhydrat-Kategorien Stärke und ESC sind.

Starch

Stärke (100% Glucose)

ESC

Ethanol Soluble Carbohydrates (alkohollösliche Kohlenhydrate):
die mit dieser Technik extrahierten Bestandteile sind Einfachzucker wie Glucose und Fructose (beides Monosaccharide) sowie das Disaccharid Sucrose. Sucrose (auch Zucker oder Saccharose genannt) besteht je zur Hälfte aus Fructose und Glucose.

Anmerkung zu ESC und Stärke

Die Summe von ESC und Stärke sollte im Futter unter 10% betragen. Andernfalls oder bei sehr hohem Stärkeanteil (mit Wasser nicht herauswaschbar) ist es ratsam, auf dieses Heu zu verzichten.

Beispiel ESC-Wert in Heuprobe (ungewässert/gewässert)


ungewässert


gewässert

Dieses Maiheu aus der Schweiz wurde sowohl einmal ungewässert (pdf) als auch 1 Stunde gewässert (pdf) zur Analyse geschickt. Der ESC-Wert liegt bei der gewässerten Heuprobe um 61% tiefer. Die Erhöhung beim Stärkewert (24% höher) mag darin liegen, dass die bei dieser Analyse angewandte preislich günstigere Technik* im Kohlenhydrat-Bereich ungenau ist und daher nur Tendenzwert hat. Gehen wir von einer 24%igen Ungenauigkeit aus, hat das 1 Stunde gewässerte Heu immer noch erfreuliche 37% weniger ESC.

* Seit Mai 2010 verwenden wir für unsere Heuproben statt "Equi-Tech" die akkuratere Analyse "Trainer" von Equi-Analytical.

WSC

Water Soluble Carbohydrates (wasserlösliche Kohlenhydrate):
mit eingeschlossen sind sowohl einfache Zucker (wie in ESC) als auch einige Fruktane.

NSC

Non Structural Carbohydrates (nicht-strukturierte Kohlenhydrate):
mit eingeschlossen sind WSC und Stärke.

NFC

Non Fiber Carbohydrates (nicht-faserige Kohlenhydrate):
mit eingeschlossen sind sowohl Zucker und Stärke welche vom Pferd/Pony im Dünndarm verdaut werden als auch die im Dickdarm fermentierten nicht-faserigen Kohlenhydrate. Namentlich: einfache Zucker, komplexe Pflanzen-Zucker, Fruktan, Stärke und Pektin. Das Polysaccharid Pektin, auch bekannt als "lösliche Faser", kann im Dickdarm leicht fermentiert werden (durch Enzyme der Darmbakterien), ohne einen gefährlichen Einbruch des pH-Wertes zu verursachen. Leguminosen wie Alfalfa und Klee haben einen höheren Pektinanteil als Gras.

Fasern

auch eine Form von Kohlenhydraten, können nicht im Dünndarm verdaut werden und sind im Dickdarm schwerer fermentierbar als Pektin oder andere nicht-faserige Kohlenhydrate. Die Fasern werden in dieser Analyse als NDF (Neutral Detergent Fibers) und ADF (Acid Detergent Fibers) aufgeführt.

NDF

Neutral Detergent Fibers
Die Behandlung einer Heuprobe mit einer neutralen Detergentienlösung liefert den Gehalt an Hemizellulose, Zellulose und Lignin. Hemizellulose kann vom Pferd/Pony am einfachsten fermentiert werden, gefolgt von Zellulose. Lignin ist praktisch unverdaulich. Es ist eine sehr steife und starke Faser (Holz z.B. hat einen hohen Ligninanteil). Der Anteil des Lignins im Gras nimmt zu, je älter es ist (Juniheu hat folglich höhere Ligninwerte als Maiheu). Die Kategorie NDF liefert eine Art Mampf- oder Akzeptanzfaktor: Je höher der Anteil von NDF in einem Futter ist, desto weniger wird das Pferd/Pony davon fressen. Futter mit einem NDF-Anteil von über 65% wird möglicherweise sogar verweigert.

ADF

Acid Detergent Fibers
Die Behandlung einer Heuprobe mit einer sauren Detergentienlösung liefert den Gehalt an Zellulose und Lignin. ADF enthält die schlecht fermentierbaren Fasern und sollte im Futter einen Anteil von unter 45% haben.

Crude Fat (Rohfett)

beinhaltet Fette, Lipoide, Wachse, Fettsäuren und fettlösliche Vitamine.

Ash (Rohasche)

besteht aus Mineralien (Mengen- und Spurenelemente), aber auch aus unlöslichen Stoffen (Sand, Ton).

Minerale (Mengen- und Spurenelemente)

Als nächstes aufgelistet sind die Minerale, welche vom Pferd/Pony im Grammbereich (g) benötigt werden, also die Mengenelemente Calcium (Ca), Phosphor (P), Magnesium (Mg), Kalium (K) (engl. Potassium) und Natrium (Na) (engl. Sodium, Anm.: Salz besteht aus 40% Natrium). Laut Dr. E. Kellon sollten die Verhältnisse der Mengenelemente im Futter eines Pferdes/Ponys wie folgt zueinander stehen: 1.2Ca:1P bis 2Ca:1P, 2Ca:1Mg

Zu guter Letzt werden in unserer Analyse diejenigen Minerale aufgelistet, welche vom Pferd/Pony im Milligrammbereich (mg) benötigt werden, namentlich die Spurenelemente Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Zink (Zn), Mangan (Mn) und Molybdän (Mo). Aufgeführt werden diese in ppm = parts per million = Teile/Million = mg/kg. Laut Dr. E. Kellon sollten die Verhältnis der Spurenelemente im Futter eines Pferdes/Ponys wie folgt zueinander stehen: 4Fe:1Cu:3Zn:3Mn.

Minerale ausbalancieren

Sind die Verhältnisse der Mengen- und Spurenelemente im Futter unstimmig, oder besteht irgendwo eine Unterversorgung, sollte das Futter dem Pferd/Pony zuliebe unbedingt ausbalanciert werden. Eisen z.B. ist nach unserer Erfahrung im Heu meist reichlich vorhanden. Kupfer und Zink sind hingegen im Verhältnis dazu oft untervertreten und müssen ergänzt werden.

Quellen:
Dr. E. Kellon, "Care and Rehabilitation of the Equine Foot" (Pete Ramey)
H. Meyer und M. Coenen, "Pferdefütterung"

Heuanalysen-Archiv

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Gestaltung und Realisation:
Christoph Elsaesser